Friendica ist was Diaspora sein sollte

Ich habe im Zuge meines Selbstexperimentes doch mal ausschau gehalten welche Alternativen es so zu Google+ gibt (die nicht Facebook heißen…)

Gefunden habe ich etwas viel besseres: Friendica, das soziale Netz der sozialen Netze.

Zuerst kam mir bei selbstgehosteten dezentralen und offenen sozialen Netzen Diaspora in den Sinn. Von anderen hatte ich halt einfach noch nicht gehört.

Das dumme an Diaspora ist nur das es auf den meisten shared-servern aufgrund der Anforderungen nicht läuft. Einen virtuellen-server haben wohl nur die wenigsten angemietet… Dazu kommt das die Einrichtung offenbar nicht ganz einfach ist. So bleibt also das Grundproblem welches alle sozialen Netze haben auch bei Diaspora für die meisten Nutzer bestehen: man muss seine Daten irgend jemandem anvertrauen.

Friendica ist bei den Anforderungen genügsamer, lediglich chron-jobs unterstützen viele share-hoster nicht. Das lässt sich mit einem Plugin (Poor Man Chron) lösen oder man kann einen externen chron-service verwenden. Ich habe mir einfach flott bei Uberspace einen Account eingerichtet. Nebenher ist das mal ein wirklich klasse share-hoster! Zahl was du willst für deinen Webspace (mindestens ein Euro…) Also ein eigener Friendica Server ist (ohne eigene Domain) ab einem Euro im Monat zu haben. Domains bekommt man für Klimpergeld entweder bei einem Domain-Registrar oder aber auch bei Uberspace.

Die Installation ist dank guter Tutorials simpel. Ich bin dem Tutorial für Uberspace gefolgt. Ihr müsst nur darauf achten das Ihr beim anlegen des chron-jobs die richtige php version eintragt, daran hab ich eine weile geknabbert…

Aber kommen wir doch zum Punkt:

Was macht Friendica jetzt so besonders? Warum sollte man von Facebook, Google+ oder Twitter auf Friendica wechseln? So ein Wechsel ist doch schließlich immer eine Art „Cut“ -die Leute folgen einem nicht zu einem anderen sozialen Netz und man sitzt in einem sozialen Netz ganz alleine, also ohne sozial und ohne Netz… Daran kränkeln die meisten sozialen Netze. Entweder bekommen sie nicht die kritische Masse an Nutzern zusammen ab der es eine massen Wanderung gibt oder die Nutzer wandern von den kleinen Netzen ab und hin zu den großen weil die kritische Masse fehlt.

Nun, bei Friendica lasse ich meine Kontakte nicht zurück, ich nerve niemanden mit Einladungen zu Friendica und nehme sie Trotzdem alle mit. WAS? WIE? -ja, Friendica nutzt dazu „Connectoren“. Das sind Plugins welche einem Friendica Nutzer erlauben mit anderen Nutzern auf anderen sozialen Netzwerken zu kommunizieren. Veröffentlicht man einen Beitrag in Friendica als Öffentlich so steht der dann auch bei Facebook. Die Kontaktliste wird Importiert und somit verliert man nicht den Kontakt zu seinen Kontakten. Gleichzeitig lese ich alle News, egal aus welcher Quelle, in einem News-Stream. Egal ob die Leute es auf Facebook oder Twitter schreiben. Diaspora wird ohne Plugin unterstützt, ich brauche in dem Fall nicht mal einen Diaspora Account um auf Beiträge in Diaspora zu Antworten. Doch damit nicht genug, ich kann in Friendica auch RSS-Feeds Abonnieren.

Das alles macht Friendica für mich zur „Eierlegenden-Wollmilch-Sau“ im Bereich social-web. Auf Friendica habe ich tatsächlich nicht einen einzigen Kontakt der bei Friendica angemeldet ist. Die meisten sind über der Facebook-Connector dazugekommen und einer über Diaspora. Google+ wird noch nicht voll unterstützt. Ich bin jedoch zuversichtlich das sich das noch ändern wird.

Noch mal kurz zur Funktionsweise Dezentraler sozialer Netze: Es ist egal auf welchem Server man sich anmeldet. Man erhält einen Nutzernamen in der Art „spitzname@ausgewählterserver.tld“ wobei der Spitzname nur auf dem jeweiligen Server einmalig sein muss. Die einzelnen Server verbinden sich untereinander und Tauschen sich automatisch gegenseitig aus. Es gibt bei Friendica keinen zwang öffentlich gefunden zu werden wie bei Facebook. Man entscheidet selber ob das eigene Profil im öffentliche globalen Nutzerverzeichnis angezeigt wird oder nur auf dem öffentlichen Nutzerverzeichnis des jeweiligen Servers. Oder gar nicht, was aber dem Sinn eines sozialen Netzes etwas entgegensteht. Das sollte man nur für das „Nicht öffentliche Profil“ machen. Bei Friendica macht man sich einfach ein Standart Profil das öffentlich ist und nur die wichtigsten informationen preis gibt und ein geschlossenes welches man nur bestimmten Personen oder Personengruppen aus der Freundesliste anzeigt.

Wer jetzt lust hat mal reinzuschnuppern der kann sich für sieben Tage testweise auf TryFriendica anmelden. Nach sieben Tagen wird der Account automatisch gelöscht, es ist wirklich nur ein Test-Server.

Sascha

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3 Gedanken zu „Friendica ist was Diaspora sein sollte“

  1. he sascha, danke fuer den super Beitrag! ich will mich im moment zwischen den beiden netzwerken entscheiden, du hast mir sehr geholfen 😉
    vor allem die konnektivitaet mit fb ist am ende doch wichtig um sozial zu bleiben im netzwerk…;)
    was ich mich allerdings frage ist, wie es mit den Inhaltsrechten aussieht wenn man etwa via friendica postet und das ganze auf fb weiterleitet….wahrscheinlich hat man dann aus der datenschutzperspektive nichts gekonnt….was meinst du?

    gruss

    1. So ist es, einer der Gründe weshalb mein Friendicaserver wieder down ist. Ich habe es im endeffekt nur benutzt um darüber auf Facebook zu zugreifen… Zwei Personen hatte ich in der Liste welche Diaspora nutzten, ist ja kompatibel. Die sind auch beide auf Facebook… Dazu kommt das ich ständige Probleme mit dem Facebook-connector hatte.
      Wenn du ein Paar Leute auf deinen Friendica Server bekommst, bzw. den einen oder anderen Diaspora Nutzer hast dann lohnt es sich. An sonsten ist es immer das gleiche Leid: Das beste Kommunikationssystem nutzt nix wenn es niemand nutzt denn du kennst.

      1. Hallo, Dein letzter Satz, dass das beste Netzwerk nichts nützt, wenn Du niemand darin kennst, kann ich verstehen. Das liegt an der Erwartung, dass man in ein netz geht, in dem auch die Freunde all sind oder kommen sollen. Ggf. ist das ein Ansatz, den man von Fb und Co mitbringt, und der es würdig ist, ihn zu überdenken.
        Ein anderer Ansatz, der sehr gut zu Diaspora passt, ist der, bestimmte Themen interessant zu finden, über diese mit Menschen in den Austausch gelangen zu wollen, und durch die gemeinsamen Interessen neue Bekannte und Gesprächspartner zu finden. Mit solch einem Ansatz ist man bei Diaspora viel besser aufgehoben, denn dort sind im Vergleich zu Fb und Co die Gespräche von wesentlich höherem Niveau und es findet sich immer jemand, der mit einem spricht…bei Fb muss man ja erst mal fragen ob man überhaupt kontaktieren darf, das ist überholt. Der Lärm im Facebook, in dem alles interessante untergeht, treibt gradezu nach Diaspora bzw. ggf. auch friendica. Und die Installation von Diaspora ist leicht geworden durch das Bundle von Bitnami: https://wiki.bitnami.com/Applications/BitNami_Diaspora*

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