Raspberry Pi – (fast) unendliche Möglichkeiten

Wie ich im letzten Beitrag schon mit einem Foto angedeutet habe schreibe ich meinen ersten „echten“ Beitrag über den Raspberry Pi.

Doch was ist ein Raspberry Pi und fast noch wichtiger: was kann ich damit anstellen?

In aller Kürze:

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Der Raspberry Pi ist ein Miniatur PC welcher entwickelt wurde um Schulen günstige PC’s zu verschaffen. Es gibt grundsätzlich zwei unterschiedliche Modelle, Modell A und Modell B.

Er läuft zum Beispiel mit Linux und überhaupt nicht mit Windows.

Noch ein paar technische Fakten:

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700MHz CPU, 256MB Arbeitsspeicher (mod. B: 512MB) welchen sich CPU und GPU teilen, Broadcom VideoCore IV GPU, 1x USB (mod. B: 2x), Bild kommt aus einem HDMI Anschluss oder einem Klassischen Video Cinch, Ton aus der 3,5mm Klinke bzw. via HDMI, Netzwerk kann nur das Modell B: 10/100MBit Ethernet LAN, WLAN nur mit USB Erweiterung, eine Festplatte gibt es nicht dazu muss eine SD oder SDHC Karte herhalten. Ferner gibt es noch 16 GPIO Pins, ein SPI, ein I²C und nen UART Anschluss. Modell A frisst 5V, 500mA (2,5 W) und Modell B 5V, 700mA (3.5W) über einen micro USB Anschluss wie ihn die Meisten wohl vom Smartphone her kennen.

700MHz hört sich erstmal anständig an, beachtet aber das es ein ARM Prozessor ist. In der x86 Architektur wäre das wohl etwa ein Pentium mit 300MHz. Ohne Garantieverlust kann die ARM-CPU zudem auf schnucklige 1GHz hochgetaktet werden. Das ganze ist z.B. im OS Raspbian (welches auf Debian GNU/Linux basiert -von dem beispielsweise auch Ubuntu abstammt) bereits integriert und lässt sich quasi von Haus aus einstellen.

Doch nochmal kurz zur Hardware: Ich habe mir ein Raspberry Pi Model B
über Amazon zugelegt. Wer sich jetzt einfach mal so einen Raspberry Pi bestellt wird feststellen das dieser ohne Gehäuse daherkommt. Also hab ich das gleich mitbestellt, kostet nur 9€ oder so und es gibt sie in allen möglichen und unmöglichen Farben. Meines ist Transparent damit ich die LEDs blinken sehe 😉 Oder ihr klaut euren Kindern ein Paar Legosteine und baut es selber (schmeißt mal die Google Bildsuche an). Außerdem habe ich meinem Raspberry noch einen Satz passive Lüfter
gegönnt. Ich gedenke ihn dauernd an zu lassen und für diverse Server Dienste zu nutzen also kann etwas passive Kühlung sicher nicht schaden, diese Kühler sind auf meinen Bildern noch nicht zu sehen da ich sie immer noch nicht eingebaut habe…

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Was braucht es noch an Zubehör? Ich hatte alles andere zuhause also ist es oben nicht aufgeführt. Ihr braucht ein Netzteil. Wer so wie ich ein paar dieser USB Netzteile rumfliegen hat sollte kurz checken ob die Leistung passt, da gibt es Unterschiede. Ich habe das von meinem Galaxy Nexus genommen, das liefert genug Strom. Dazu braucht ihr ein USB auf micro-USB Kabel -haben sicher auch die meisten zuhause. HDMI Kabel, oder Video Cinch
für das Bild. Eine USB Tastatur ist ganz wichtig und wer auf Grafische Nutzeroberflächen abfährt sollte eine USB Maus haben. Zudem werdet ihr sicher ins LAN oder auch ins Internet mit dem Raspberry wollen, dazu könnt ihr eine USB-WLAN Lösung nutzen (googelt nach Kompatiblen Geräten!), mir reicht dazu das gute alte RJ45 Netzwerkkabel. Was brauchen wir noch? Natürlich eine SD-Karte. Ich hatte eine gute 32GB Karte hier. Achtet unbedingt darauf das die Karte eine möglichst hohe Lese- und Schreibrate hat! Mit dieser Steht und fällt die Performance eures Raspberrys! Nehmt euch Zeit und kauft nicht das erstbeste billig ding aus dem SB-Supermarkt sondern vergleicht die verschiedenen Modelle. Nehmt lieber eine mit weniger Speicher dafür aber mit höherer Geschwindigkeit als eine mit viel Speicher und Lahmer Übertragungsrate. Ihr könnt euch ja später immer noch ein Paar TB mit ner USB Platte verschaffen 😉 Ich habe euch mal beispielhaft die SanDisk Extreme Pro herausgesucht. Die trumpft mit einer Lesegeschwindigkeit von bis zu 95 MB/s im Labor auf. Doch wir leben nicht im Labor also ist interessant was die Karte im Real-Live bringt. Laut verschiedenen Berichten in diversen Foren kommt die Karte auf 90 MB/s lesen und 80 MB/s schreiben. Die Karte ist definitiv nicht billig, ich verlinke diese auch nur als Beispiel wo die Messlatte so liegt. Gibt übrigens ähnlich schnelle Karten von anderen Anbietern, SanDisk musste hier mbnur als Beispiel herhalten. Ihr solltet also durchaus eine Karte mit 30 MB/s oder besser 45 MB/s suchen. Solch eine habe ich mittlerweile selber in meinem Raspberry Pi im Einsatz.

Kommen wir zur Software. Ich habe mir Raspbian als OS Installiert. Meine Versuche die vermeintlich leichtere Lösung mit einem Installer zu wählen sind gescheitert. Ich habe dann gleich das ganze OS fertig auf die Karte gespielt. Dazu könnt ihr nicht einfach die Dateien auf die Karte spielen sondern braucht ein extra Programm welches die Karte auch Bootfähig macht. Gute Tutorials für gängige (PC)Betriebssysteme findet ihr hier auf englisch. Es gibt im Netz aber auch fertige SD Karten mit OS drauf.

Wenn das geschehen ist steckt ihr die Karte in den Pi und schließt alle Kabel an, als Letztes das Power Kabel woraufhin der Raspberry auch schon hochfährt -einen an/aus Schalter gibt es nicht.

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Ihr landet dann in einem Einrichtungsassistenten. Hier könnt ihr euer Tastatur Layout einstellen, Standard ist englisch was bedeutet das ihr mit einer Deutschen Tastatur das z und das y vertauscht habt und nur schwer Sonderzeichen finden werdet. Auch ein Deutsches Sprachpaket könnt ihr als Lokalisierung auswählen sofern ihr das möchtet und die Uhrzeit sowie das Datum anpassen. Wer die Kommandozeile hasst ist zwar nach meiner Meinung ohnehin schlecht mit einem Raspberry bedient, ihr könnt trotzdem einstellen das gleich nach dem Start der Window Manager (also eine Grafische Benutzeroberfläche) erscheint. Ansonsten ruft ihr diese später ganz einfach aus der Kommandozeile mit „startx“ auf. Was sicher nicht verkehrt ist: hier könnt ihr ganz einfach den Speicherplatz der Root Partition eures Raspberrys auf die gesamte verfügbare Kapazität der verwendeten Speicherkarte ausdehnen. Das ist nämlich in der Standard Installation nicht der Fall. Dieses Tool könnt ihr auch später jederzeit wieder aufrufen, es ist also nicht schlimm wenn ihr es abbrecht oder vergesst etwas einzustellen.

Nach der Ersteinrichtung solltet ihr das Passwort ändern. Standard Benutzername ist „Pi“ und Standard Passwort ist „raspberry“. In der Komandozeile gebt ihr einfach „passwd“ ein und nehmt das Passwort eurer Träume. Achtet darauf das Linux hier zwischen groß und Kleinschreibung unterscheidet!

Ich hab mir dann noch den Midnight Commander Installiert, einige kennen so etwas ähnliches sicherlich noch als Norton Commander, ein wenig grafischer Luxus darf es für mich dann doch sein. Das geht in der Kommadozeile schnell und unkompliziert mit „sudo apt-get install mc“ nach der Installation startet ihr den Midnight Commander mit dem Befehl „mc“. Das tolle daran ist das dieser auch aufgerufen werden kann wenn ihr den Raspberry später (so wie ich) nur noch über Telnet oder SSH von einem anderen Rechner aus über das LAN bedienen möchtet.

Was stellt man nun mit so einem Raspberry an?

Nun, ich verwende ihn als ownCloud Server. Auch als NAS lässt sich ein Raspberry ganz gut verwenden, das werde ich sicherlich auch noch testen und eventuell dann so auch nutzen. Man kann einen Webserver darauf einrichten um Websites mit DDNS zu hosten. Er lässt sich auch mit XBMC zu einem media PC machen oder mit Asterisk zu einer (VoIP)Telefonanlage. Auch der Einsatz als CUPS Printserver wäre denkbar. Es gibt sogar leute die den Raspberry verwenden um alte Spielekonsolen zu emulieren und ihn dann als retro-Konsole einsetzen. Auch Berichte über den Einsatz als Zentrale zur Hausautomatisierung mittles der freien Software FHEM finden sich im Netz. Das wird für mich sicherlich nochmal ein Thema werden!

Ok und ihr könnt ihn als Linux PC verwenden. Wer nix mit Linux am Hut hat kann hier gefahrlos reinschnuppern und herumwerkeln ohne seinen Teuren heim PC mit all seinen Daten zu gefährden. Es gibt auch eine vollwertige Desktopumgebung welche (Linux Typisch) stark Individualisierbar ist und über die sich eine Vielzahl an grafischen Programmen ausführen lässt. Mit Midori steht außerdem von Haus aus ein Internetbrowser bereit mit dem ihr das Web erkunden könnt. Allerdings ist die Performance nicht so wie es die meisten von ihrem Desktop gewohnt sein werden. Telekom Kunden kann das aber bald schon zum ende des Monats hin egal sein. -Konnte ich mir jetzt nicht verkneifen 😉 Für Linux Einsteiger ist der Raspberry Pi sicherlich eine gute Möglichkeit um quasi in einem „Sandkasten“ zu lernen.

Bei all den Möglichkeiten gibt es jedoch auch etwas das man als Nachteil bezeichnen Könnte. Das beliebte Programm WINE mit welchem sich gewöhnlich unter Linux und Mac OS Windows Programme ausführen lassen läuft hier nicht. WINE ist an die x86 Prozessorarchitektur angepasst und wie ich oben schon schrieb, der Raspberry hat einen ARM Prozessor. Kleiner Wermutstropfen, doch es gibt ja immer noch (fast) unendliche Möglichkeiten.

Ich werde mir sicherlich noch einen Raspberry Pi zulegen. Spätestens wenn ich damit anfange mein Zuhause zu automatisieren wird es sicherlich einen Raspberry als Zentrale geben. Doch das werdet ihr hier dann definitiv noch lesen!

Sascha

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