ownCloud -meine Daten, meine Cloud

Ich schrieb ja bereits darüber das ich mir einen Raspberry Pi zugelegt habe und erwähnte kurz das ich auf diesem einen ownCloud Server betreibe.

Nun möchte ich hier nicht ausführlich beschreiben wie man seinen eigenen ownCloud Server auf einem Raspberry Pi aufsetzt, dazu gibt es im Raspberry Pi Forum bereits ein wirklich sehr gutes Tutorial. An dieser Stelle auch ein großes Dankeschön an den Autor dieses Tutorials! Ich weise nur darauf hin das an der Stelle an welcher ihr den host in /etc/hosts eintragen müsst der Eintrag „127.0.1.1       owncloud“ unten angehangen werden soll und ihr nicht den vorhanden Eintrag für den Localhost (127.0.1.1) ersetzen sollt.

Ich komme lieber gleich zur Praktischen Anwendung und Nutzung von ownCloud im Alltag.

Owncloud

Doch zuerst mal: Was ist denn überhaupt eine „Cloud“, was stellt man überhaupt mit einer „Cloud“ an und braucht man dazu eine eigene „Cloud“?

„Cloud“ -zu deutsch Wolke, soll verdeutlichen das man irgendwelche Daten auf einem Server an irgendeinem Ort gespeichert hat. Ähnlich wie in einer Wolke bei der man nicht weiß wo welches Regentröpfchen genau ist weiß man gewöhnlich nicht wo die eigenen Daten genau liegen. Sie sind eben in der „Datenwolke“. Solch eine Wolke kann immer größer werden, und das können auch die so genannten „Cloud Speicher Dienste“. Bei vielen Diensten erhält man nach Anmeldung etwas gratis Speicher und kann später weiteren Speicher dazu kaufen oder mieten -gewöhnlich gegen einen monatlichen Betrag.

In einer Cloud speichert man dann Daten welche man z.B gerne sichern möchte. Fällt die Festplatte am heimischen PC aus so sind die Daten in der Cloud immer noch abrufbar. Man kann dort auch Daten lagern welche man unterwegs, etwa am Arbeitsplatz oder bei Freunden, abrufbar haben möchte. Das können Dokumente oder auch Urlaubsfotos sein. Eine Cloud kann auch genutzt werden um Daten synchron zu halten. So kann das Adressbuch vom Smartphone mit dem PC im Büro oder im Wohnzimmer automatisch abgeglichen und auf allen benötigten Geräten abgerufen werden ohne alle Kontakte mehrmals eintippen zu müssen bzw. stehts das Smartphone zur Hand haben zu müssen.

Schnell wird man feststellen das dies mehr oder weniger Vertrauliche oder einfach nur ideell wertvolle Daten sein können. Da bereitet es dann schon dem ein oder anderen Bauchschmerzen das die gesamte Kontaktliste mit email Adressen, Hausanschriften und Telefonnummern beispielsweise vom Android Smartphone aus auf Google Server in Amerika ausgelagert werden soll. Die Regierung der USA hat bekanntlich recht eigene Vorstellungen davon wie Datenschutz zu definieren ist und erlaubt es ganz gerne den eigenen Geheimdiensten und Polizeibehörden auf solche Daten zu zu greifen. Tja und die meisten Cloud Anbieter haben ihre Server in den USA stehen…

Oft denken die Leute bei Cloudspeicher daran das dort Dokumente hochgeladen werden. Die lassen sich ja noch recht einfach mit starker Verschlüsselung versehen und somit sicher in der Cloud abladen. Doch die eigene Kontaktliste zu synchronisieren ist so nicht mehr möglich. Allenfalls ein Backup für den Fall der Fälle kann man so sichern.

Und an dieser Stelle kam für mich ownCloud ins Spiel.

Ehrlich gesagt habe ich mir nur deshalb einen Raspberry Pi zugelegt um dort meinen eigenen ownCloud Server zu Installieren.

Auf meinem Ubuntu PC habe ich nach der Einrichtung des Servers den ownCloud Client installiert, dieser Synchronisiert meine Dokumente mit meiner ownCloud. Auf meinem Android Smartphone habe ich mir die entsprechende App installiert von der ich persönlich allerdings sehr enttäuscht bin. Den Kaufpreis sehe ich als Spende an das Entwickler Team. Das einzig praktische was ich dieser App abgewinnen kann ist das sie sich in die „teilen“ Menüs einträgt. So kann ich z.b. Fotos über „teilen mit“ auf meinen ownCloud Server schicken. Alles andere kann ich auch über die Web Oberfläche des Servers machen. Wirklich begeistert bin ich allerdings von den ownCloud Apps des Entwicklers Marten Gajda. Die Preise sind zwar gut gesalzen und hätten mich fast davon abgehalten diese Apps zu testen doch im nachhinein bereue ich den Kauf nicht. Ich verwende die App CardDAV-Sync beta um meine Kontaktliste zu synchronisieren. Das funktioniert ganz hervorragend! Um meine Kontakte den Fängen von Google zu entreißen habe ich die App Contact Editor Pro verwendet. Mit dieser kann ich beim bearbeiten eines Kontaktes einfach auf das Konto in welchem der Kontakt gespeichert ist tippen und ein anderes Konto auswählen. Ich frage mich warum diese Funktion nicht standardmäßig in Android drin ist! Einfacher geht es jedenfalls kaum.

Die Kontakte lassen sich dann schön mit Thunderbird synchronisieren. Dazu braucht man nur das Plugin „SOGo Connector Thunderbird extension„. Dieses fand ich dummer Weise nicht über den Thunderbird Plugin Manager weshalb ich es direkt von der Entwicklerseite geladen habe. Nach der Installation öffnet ihr einfach das Adressbuch und geht auf „Datei“ wo ihr jetzt bei den Möglichkeiten neue Adressbücher hinzuzufügen zusätzlich Remoteadressbücher hinzufügen könnt. Das ganze funktioniert hervorragend.

Was weniger hervorragend funktioniert ist der Upload großer Dateien auf meine ownCloud. Das kann man im Netz zwar schon an jeder Ecke lesen doch ich muss es nochmals erwähnen. Eigentlich lade ich auch keine größeren Dateien hoch weshalb es mir egal ist, alles was ich von meiner ownCloud erwartet habe hat sie erfüllt und teilweise sogar noch übertroffen.

Es gibt viele Funktionen die ich noch gar nicht getestet habe. Z.B. soll es möglich sein Dokumente online zu bearbeiten oder zu betrachten, Musik und Videos zu streamen und Inhalte zu teilen. Alles nix was ich unbedingt brauche…

Doch sicherlich denkt sich manch einer schon die ganze Zeit über „Ok, jetzt hat er einen ownCloud Server in seinem heimischen Netzwerk. Und wie kommt er an diesen ran wenn er nicht zu Hause ist?“

Ich habe im Web gelesen das viele ihren Server mit einem DynDNS Service und Portweiterleitung am Router aus dem Internet heraus erreichbar machen. Doch irgendwie finde ich den Gedanken nicht prickelnd die Firewall meines Routers zu umgehen.

Nein ich habe mich für eine Variante entschieden die ich für sicherer halte. Ich habe auf meinem Router dazu ebenfalls einen DynDNS Service eingerichtet. Unter der URL zu diesem Service findet sich nun immer die IP meines Routers. Auf diesem wiederum habe ich einen VPN Server laufen. Mit dem in Android integrierten VPN Client kann ich mich nun mit einem Nutzernamen und einem Passwort an meinem Router anmelden. Danach steht eine komplett verschlüsselte Verbindung zwischen meinem Smartphone und meinem Heimnetzwerk und die Datenverbindung meines Smartphones wird direkt zu meinem Heimnetz umgeleitet. Es ist also so als wenn ich zu Hause auf dem Sofa sitze. Nur meistens ohne Fernseher und Sofa 😉

Der Vorteil an dieser Variante ist nebenbei das ich keinen HTTPS Server aufsetzen muss und mich nicht mit irgendwelchen Zertifikaten herumschlagen muss. Die Verbindung ist ja schon verschlüsselt. Weiterer Vorteil: ich kann meine Dreambox jetzt von unterwegs mit der Dreamdroid App steuern. Das hat aber nix mehr mit ownCloud zu tun.

Nachteil ist das eine VPN Verbindung nicht permanent bestehen bleibt. Ich bin also nicht ständig mit meiner ownCloud verbunden sondern muss die Verbindung jedes mal per Hand aufbauen. Doch das ist es mir Wert!

Die Themen VPN und DynDNS allein sind schon wieder mindestens zwei Beiträge wert weshalb ich jetzt mal auf genaue HowTo’s verzichte. Das ganze ist abhängig von eurem Router und eurem Smartphone. Und lässt sich mit etwas googeln meistens Lösen.

Mein Fazit: ownCloud ist eine Tolle Software, kostenlos, Open Source und recht einfach zu bedienen. Meine Bedürfnisse erfüllt ownCloud -also Bildupload vom Smartphone, Dokumente von meinem Rechner hochladen, Kontakte zwischen Smartphone und Rechner synchron halten und auf das ganze auch noch von Unterwegs zugreifen. Zukünftig kommt vielleicht noch die Kalender Synchronisation dazu, mal abwarten. Auch interessant klingt das an einem Plugin für ownCloud gearbeitet wird welches ein RSS Reader wird. Das zeigt mir das ownCloud noch viel Potenzial für weitere Entwicklungen hat und die Ankündigung von Google das der Google-Reader eingestellt wird hat mich ja erst dazu bewogen ein paar Google Dienste weniger zu benutzen.

Sascha

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